Entgeltfortzahlung durchsetzen: Ablauf bei Verweigerung 2026
Kurz gesagt
Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht nach einer Wartezeit von vier Wochen ununterbrochenen Bestehens des Arbeitsverhältnisses und ist zeitlich begrenzt. Zahlt der Arbeitgeber nicht, ist zunächst schriftlich zu mahnen; danach ist das Arbeitsgericht zuständig.
| Zuständig | Arbeitgeber; bei Streit das Arbeitsgericht |
|---|---|
| Frist | Ausschlussfristen im Arbeits- oder Tarifvertrag beachten |
| Wartezeit | vier Wochen Bestehen des Arbeitsverhältnisses |
| Anschluss | Krankengeld der Krankenkasse |
| Bei Streit | Arbeitsgericht |
| Rechtsgrundlage | EFZG |
Diese Unterlagen brauchst du
- ArbeitsunfähigkeitsbescheinigungPflicht
In der Regel elektronisch übermittelt; die Meldepflicht beim Arbeitgeber bleibt bestehen.
- ArbeitsvertragPflicht
Enthält häufig Ausschlussfristen und Regelungen zur Anzeigepflicht.
- LohnabrechnungenPflicht
Beleg über die Nichtzahlung.
- Schriftliche ZahlungsaufforderungPflicht
Mit Frist — Voraussetzung für den Verzug.
4 von 4 Unterlagen sind in nahezu jedem Fall erforderlich.
So gehst du vor
- 1
Arbeitsunfähigkeit unverzüglich anzeigen
Die Anzeigepflicht besteht unabhängig von der elektronischen Übermittlung der Bescheinigung. Melde dich am ersten Tag und nenne die voraussichtliche Dauer.
- 2
Ausschlussfristen prüfen
Arbeits- und Tarifverträge enthalten häufig kurze Fristen, innerhalb derer Ansprüche schriftlich geltend zu machen sind. Sie sind der häufigste Grund, warum berechtigte Ansprüche scheitern.
- 3
Schriftlich mit Frist auffordern
Fordere die Zahlung unter Setzung einer konkreten Frist. Mit fruchtlosem Ablauf tritt Verzug ein und es können Verzugszinsen verlangt werden.
- 4
Krankenkasse einschalten
Zahlt der Arbeitgeber nicht, kann die Krankenkasse unter Umständen Krankengeld vorschussweise leisten und den Anspruch gegen den Arbeitgeber übernehmen. Frage dort aktiv nach.
- 5
Klage prüfen
Bleibt die Zahlung aus, ist das Arbeitsgericht zuständig. In erster Instanz trägt jede Seite die eigenen Anwaltskosten.
Ausschlussfristen sind der häufigste Stolperstein
Viele Arbeits- und Tarifverträge sehen vor, dass Ansprüche innerhalb weniger Monate schriftlich geltend gemacht werden müssen, sonst verfallen sie. Diese Fristen sind deutlich kürzer als die gesetzliche Verjährung und werden regelmäßig übersehen. Wer eine Zahlung vermisst, sollte deshalb zuerst in den Vertrag schauen und den Anspruch sofort schriftlich anmelden — auch wenn noch Gespräche laufen. Die Anmeldung kostet nichts und wahrt die Frist.
Wiederholte Erkrankung und Anspruchsdauer
Die Entgeltfortzahlung ist je Erkrankung zeitlich begrenzt. Bei wiederholter Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krankheit entsteht ein neuer Anspruch nur unter bestimmten zeitlichen Voraussetzungen — etwa nach einer gesetzlich bestimmten Zeit ohne diese Erkrankung oder nach Ablauf eines längeren Zeitraums seit ihrem erstmaligen Auftreten. Bei einer neuen, anderen Erkrankung beginnt der Anspruch dagegen neu. Diese Abgrenzung ist bei chronischen Erkrankungen der häufigste Streitpunkt.
Häufige Gründe für Ablehnung oder Verzögerung
- Ausschlussfrist des Arbeitsvertrags versäumt
- Arbeitsunfähigkeit nicht unverzüglich angezeigt
- Nur mündlich gemahnt
- Krankenkasse nicht eingeschaltet, obwohl eine Vorleistung möglich gewesen wäre
Wenn der Antrag abgelehnt wird
Bestreitet der Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit, hat die ärztliche Bescheinigung einen hohen Beweiswert, der nur durch konkrete Umstände erschüttert werden kann. Bei Streit über wiederholte Erkrankungen derselben Ursache ist die Berechnung der Anspruchsdauer entscheidend. Gewerkschaften, Betriebsräte und bei geringem Einkommen die Beratungshilfe sind die richtigen Anlaufstellen.
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Häufige Fragen
Ab wann besteht der Anspruch?
Nach vier Wochen ununterbrochenen Bestehens des Arbeitsverhältnisses.
Was kommt danach?
Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse, sofern die Arbeitsunfähigkeit fortbesteht und lückenlos festgestellt ist.
Was, wenn der Arbeitgeber nicht zahlt?
Schriftlich mit Frist mahnen, Krankenkasse einschalten und notfalls beim Arbeitsgericht klagen. Ausschlussfristen beachten.
Rechtsgrundlagen
- EFZG — Entgeltfortzahlungsgesetz — Anspruch, Wartezeit und Anspruchsdauer
- SGB V — Krankengeld im Anschluss
- ArbGG — Durchsetzung vor dem Arbeitsgericht
Weitere Anträge zum Thema
- 🏥 KrankengeldGesetzliche Krankenkasse
- ⚖️ KündigungsschutzklageArbeitsgericht
- 📃 Berichtigung des ArbeitszeugnissesArbeitgeber; bei Streit das Arbeitsgericht
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Leutrim Miftaraj
Buchautor "Identity Over Discipline", Founder Innopulse Consulting GmbH (CH). Schreibt seit 2023 über persönliche Finanzen, ETF-Investments und SaaS-Strategien für DACH.
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Alle Zahlen basieren auf offiziellen Quellen: Destatis (Statistisches Bundesamt), Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Bundesministerium der Finanzen (BMF), Deutsche Bundesbank, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).
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